Marktbericht
21. Januar 2026
I. Das Makro-Narrativ: Die Ära der „Festung Amerika“
Da die gewohnte Datenbrücke momentan schweigt, wenden wir uns dem tieferen Signal zu – der strukturellen Realität der Welt im frühen Jahr 2026. Der Lärm der täglichen Ticker ist oft nur Ablenkung; das wahre Signal findet sich heute in der geopolitischen Architektur.
Das dominierende Thema, das die Kapitalströme dieser Woche antreibt, ist die Kristallisation der Strategie der „Festung Amerika“ (in Risikokreisen oft als „Donroe-Doktrin“ bezeichnet). Wir sind Zeugen einer entscheidenden Kehrtwende: von der globalen Integration hin zur hemisphärischen Konsolidierung. Die Vereinigten Staaten betreiben nicht mehr nur „Re-Shoring“; sie schotten die westliche Hemisphäre aggressiv ab und schaffen eine zweigeteilte Weltwirtschaft.
Dieser Wandel hat ein Marktumfeld geschaffen, in dem gilt: „Mikro ist Makro“. Die breite Flutwelle der Globalisierung hat sich zurückgezogen. An ihrer Stelle sehen wir massive, gezielte Kapitalausgaben in zwei kritischen Silos: Infrastruktur für Künstliche Intelligenz und heimische Energiesicherheit. Die „Erbauer“ (Versorger, Nuklearenergie, Verteidigung und spezialisierte Industrie) koppeln sich von der breiteren, stagnierenden Konsumwirtschaft ab. Der Markt stürzt nicht ab; er rotiert – und zwar heftig – vom Leichfertigen zum Essenziellen.
Informationen von Stratfor und der Eurasia Group bestätigen, dass die Risikoprämie nicht aufgrund wirtschaftlicher Fundamentaldaten steigt, sondern aufgrund politischer Fragmentierung. Während der europäischen Industriebasis eine „Versteppung“ droht, flieht das Kapital in die relative (wenn auch teure) Sicherheit des US-Dollars und nordamerikanischer Vermögenswerte. Der Trade lautet nicht mehr „Wachstum“, der Trade lautet „Souveränität“.
Abb. 1: „Allegorie auf Markt und Hoffnung“ – Eine visuelle Meditation über Volatilität und Klugheit.
II. Die Sicht von Aquinas: Klugheit in der Fragmentierung
Wie navigiert der thomistische Realist durch diese zerklüftete Landschaft? Wir müssen unterscheiden zwischen dem Akzidens (der täglichen Volatilität) und der Substanz (dem zugrunde liegenden Wert). Die aktuelle Rotation ist eine Rückkehr zum Realismus.
In einer Welt der „geoökonomischen Fragmentierung“ verlangt die Tugend der Klugheit (Prudentia), dass wir nach Vermögenswerten suchen, die eine strategische Notwendigkeit besitzen. Die „unsichtbare Hand“ wird nun von der „sichtbaren Faust“ der Staatspolitik geführt. Daher liegt der Wert nicht mehr in bloßer Spekulation, sondern in den greifbaren Gütern, die das Gemeinwohl (Bonum Commune) der Polis erhalten: Energie für das Netz, Silizium für den Geist und Verteidigung zur Sicherung des Friedens.
Wir raten zur Vorsicht gegenüber den „Animal Spirits“ reiner Tech-Spekulation. Suchen Sie stattdessen nach der „Form“ in der „Materie“ – Unternehmen, die das physische Fundament dieser neuen, parzellierten Welt errichten.
Signal vs. Rauschen
Im Lärm unterbrochener Feeds und geopolitischer Verschiebungen aggregiert Aquinas Intelligence Daten nicht bloß; wir erkennen die Ursachen (Causae) hinter den Bewegungen. Während andere dem Ticker hinterherjagen, studieren wir die Architektur der Realität.
PAX ET BONUM
© 2026 Triuvo. Alle Rechte vorbehalten.